Dies ist ein Erfahrungsbericht von Peter Junge.

6. Jahr Uruguay 

Uruguay Meer

Uruguay, es gibt wohl sehr viele Menschen, die nicht einmal wissen, das es dieses kleine Land überhaupt gibt und geschweige denn, wo es liegt. Manch einer wird aber Uruguay vom Fußball her kennen und wissen, dass es in Südamerika liegt. Genauer am Rio de la Plata und das genau gegenüber von Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien.

Da es von Deutschland aus keine direkten Flüge nach Uruguay gibt, fliegen die meisten Menschen entweder über Madrid oder Sao Paulo (Brasilien) nach Montevideo, welches die Hauptstadt von Uruguay ist und somit auch den größten internationalen Flughafen in Uruguay hat. Nur ich, ich habe es anders gemacht, ich bin nach Buenos Aires geflogen und habe nach einer Nacht in einem netten Hotel am nächsten Vormittag die Fähre genommen und bin somit dort angelandet, wo die ersten Portugiesen das Land in grauer Vorzeit entdeckten, in Colonia del Sacramento.


Dort kann man heute noch sehen, wie das damals ausgesehen haben muss. Schon die Fährüberfahrt über den an dieser Stelle ca. 60 km breiten Rio de la Plata war ein Erlebnis für sich. Das schindende Buenos Aires auf der einen Seite und das immer größer werdende Uruguay auf der Anderen. Dann eine Busfahrt ins ca. 120 km entfernte Montevideo. Durch eine Landschaft, welche mich schwer an Norddeutschland erinnerte. So viel anders war es hier also auch nicht. Saftige grüne Weiden, auf der unheimlich viele Rinder frei grasen durften. Ab und zu mal eine kleine Hütte, in der eine ganze Familie zu leben schien wenn man sich die Wäsche auf der Leine betrachtet. Mit klein meine ich ca. 40qm, mehr nicht. Es reicht zum übernachten, denn das Leben findet eh meist draußen statt.

Montevideo uruguayDann kam Montevideo in Sichtweite. 1,8 Millionen Einwohner, das aber gut verteilt, so dass es nicht gedrängt wirkt. Montevideo ist eine sehr alte Stadt und wirkte im ersten Moment teilweise etwas heruntergekommen. Aber genau das macht die Gemütlichkeit dieser Stadt aus. Ok im Zentrum ist sie wie jede Stadt, laut, betriebsam, aber im Gegensatz zu europäischen Städten nicht hektisch.

Und hier kommen wir schon zur ersten Besonderheit, welche einem in Uruguay auffällt: Der Uruguayer hat Zeit.
Er nimmt sie sich und lässt sie sich. Klappt es heute nicht, dann eben morgen. Regnet es heute dann machen wir es morgen. Eine Mentalität, die für den frisch eingereisten Europäer sehr gewöhnungsbedürftig ist. Aber so sind sie nun Mal in Uruguay und wahrscheinlich auch in ganz Südamerika. Das gibt, wenn man erst einmal daran gewöhnt hat eine unheimliche Lebensqualität.

Und so lernt man nachher auch das Land und die Leute kennen. Langsam bedacht mit viel Gefühl und immer schön darauf achten, dass ja nichts zu schnell geht :-) Daran hat sich in den nun mehr fast 6 Jahren, indem ich hier lebe, nichts geändert.  Es gibt nur 2 Alternative, die gibt es aber wohl zu jedem Land, entweder man mag es oder man geht wieder. Viele habe ich in der Zeit wieder gehen sehen. Viele sind aber auch richtig gute Freunde geworden.
Ich schätze an Uruguay, das meist freundliche Leben mit offenen Menschen, also ihre Mentalität.

Somit kann man in einer Freiheit leben, die für deutsche Verhältnisse undenkbar ist. Hier schaut nicht jeder auf das, was Du eventuell falsch machst, um dich dann gleich anzuschwärzen. Auch die Polizei ist nicht so nervend in der Suche nach der nächsten Einnahmequelle. Hast Du dann erst einmal Deinen Platz gefunden und dich an die lokalen Gegebenheiten angepasst, ja Du musst Dich anpassen, dann wirst Du hier in Ruhe und Frieden leben können und niemand wird dich behelligen und dir vorschreiben, was du zu tun und zu lassen hast. Uruguay LebensqualitätGleichzeitig kann man hier noch essen was man gerne essen möchte. Hier gibt es das beste Rindfleisch der Welt, so zart, dass es auf der Zunge zergeht. Frische Kuhmilch, so wie man diese auch vor 50 Jahren noch in Deutschland beim Milchhändler kaufen konnte. Einmal kurz erhitzt und fertig ist sie, mit all den Inhaltsstoffen die eine gute Milch ausmacht. Von Rindern, die nichts anderes zu fressen bekommen, als das was, auf den Wiesen wächst. Hühner, welche richtig groß sind, die legen Eier mit doppeltet Dottern, geschmacklich in nie gekannter Qualität. Gemüse auf den Märkten frisch und sauber, ungespritzt zum sofortigen Verzehr geeignet.

Kurz und gut, hier ist das Leben noch fühlbar lebenswert und das in diesem Maße, das noch nicht einen Moment Heimweh aufkam. Denn zu Hause ist man da, wo man sich wohl fühlt. Und wohl fühlen kann man sich in Uruguay ganz besonders. Ich für meinen Teil habe mein Auswandern nach Uruguay noch nicht einen Tag bereut.

Herzlichst der uru-guru aus Uruguay.